Franzosen in Deutschland: Wen werden sie diesmal wählen?

Brandenburger Tor

Urheber/in: O. Horbacz Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz

Bei den Präsidentenwahlen stimmten die Auslandsfranzosen in Deutschland für den Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron. Bei den Parlamentswahlen können sie sich nun zwischen 15 Kandidaten entscheiden. Auch hier wählen sie eine Woche früher als ihre Landsleute in Frankreich. Diesmal dürfen sie aus Sorge vor Hackerangriffen jedoch nicht mehr per E-Voting wählen. 

Seit 2012 sind auch französische Staatsbürger, die außerhalb Frankreichs leben, in der Nationalversammlung vertreten. Der entsprechende Gesetzesentwurf wurde 2008 verabschiedet. Dabei wurde festgelegt, dass sie in elf Wahlbezirken, elf Abgeordnete wählen dürfen. Deutschland ist Teil des 7. Wahlkreises, der mehrere Staaten in Zentral- und Osteuropa umfasst, darunter Österreich, Rumänien, Ungarn und Polen. 

So wie bei den Präsidentschaftswahlen, müssen sich die Auslandsfranzosen auch bei den Parlamentswahlen früher für einen Kandidaten entscheiden. So findet der erste Wahlgang für Franzosen, die in Amerika leben, am 3. Juni statt, für alle anderen am 4. Juni. Ihre Landsleute in Frankreich wählen eine Woche später, am 11. Juni. 

In Deutschland sind rund 118 000 Franzosen wahlberechtigt. Beim ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl am 23. April lag die Wahlbeteiligung der Auslandsfranzosen bei 77,77 Prozent, beim zweiten Wahlgang am 7. Mai 2017 bei 75,34 Prozent. Nach Angaben der französischen Botschaft entschieden sich 55, 9 Prozent der in Deutschland lebenden Franzosen für Emmanuel Macron, der am 14. Mai offiziell zu Frankreichs Staatschef ernannt wurde. Für seine Gegnerin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, stimmten nur 3,4 Prozent. 

Während die Auslandsfranzosen 2012 per elektronischer Abstimmung wählten, hat das französische Außenministerium im März entschieden, aus Sorge vor Hackerangriffen das E-Voting nicht mehr zu erlauben. Die in 

Deutschland lebenden Franzosen können am 4. Juni zwischen 15 Parteivertretern wählen. Kurzporträts einiger Kandidaten: 

Europa Ökologie – Die Grünen/Europe Écologie – Les Verts (EELV): Anna Deparnay-Grunenberg wurde 1976 in Berlin als Tochter einer Französin und eines Schweizers geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Frankreich, zum Studium der Forst- und Umweltwissenschaften ging sie jedoch nach Freiburg. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Stuttgart. Im Jahr 2009 wurde die grüne Politiker in den Stuttgarter Stadtrat gewählt, seit Frühjahr 2014 steht sie an der Spitze der Grünen-Ratsfraktion. 

Kommunistische Partei/Front de Gauche (PCF/FDG): Maeva Durand ist Doktorandin am Institut für Agrarwirtschaft INRA in Paris. Sie hat mehrere Jahre in verschiedenen Städten Deutschlands gelebt, unter anderem in Mainz, Göttingen, Leipzig und Berlin. 

Die Republikaner (LR): Philippe Gustin war von 1980 bis 1988 Lehrer in Deutschland, dann Mitarbeiter in den Niederlassungen des Institut français in Budapest und Wien. Im Jahr 1999 wurde er in die Eliteschule ENA aufgenommen. Er arbeitete unter Christine Lagarde im Wirtschafts- und Finanzministerium sowie im Bildungsministerium unter Luc Chatel. Von 2012 und 2014 war Gustin französischer Botschafter in Rumänien. 

Front National: Jean-Pierre Hottinger wurde am 5. März 1959 in Mulhouse im Elsass als Sohn eines Bergarbeiters geboren. Nach seinem Handelsstudium arbeitete er für Unternehmen wie Danone und Chanel. Für Oréal entwickelte er den Absatzmarkt in Zentraleuropa, unter anderem in Rumänien und Ungarn. Heute lebt er in Prag. 

Sozialistische Partei (PS): Pierre-Yves Le Borgn wurde am 4. November 1964 in Quimper in der Bretagne als Sohn einer Lehrerfamilie geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Nantes und anschließend Politikwissenschaft in Paris. In Brügge am Europa-Kollegium absolvierte er zudem einen Master of Laws (LLM) in Europäischem Recht. Am 17. Juni 2012 wurde er mit 56,9 % zum Abgeordneten der Franzosen im Ausland gewählt. 

Front der Republikanischen Patrioten, Front des Patriotes Républicains (FPR): Ludovic Lemoues wurde 1962 in Paris geboren. Er studierte Wirtschaft und Privatrecht. Seit 2008 lebt er in Barcelona, pendelt jedoch oft zwischen der Hauptstadt Kataloniens und München hin und her. Er stand an der Spitze verschiedener Firmen im Bereich Verlagswesen, Kosmetik und Pflanzenheilkunde. 

Union der Demokraten und Unabhängigen; Union des démocrates et indépendants (UDI): Benoît Mayrand kennt Deutschland durch seinen Militärdienst. Im Jahr 1991 ließ sich der 50-Jährige in Rumänien nieder. Mayrand ist unter anderem als Personal-und Firmenberater tätig. 

Die Republik in Bewegung/Demokratische Bewegung; LRM/Modem: Frédéric Petit wurde in Marseille in Südfrankreich geboren. Der 56-Jährige lebt in Warschau. Der Ingenieur und Mediator hat verschiedene Firmen und Sozialprojekte geleitet. 

Sabine Glaubitz

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