Frankreichs Kommentatoren meinen: Emmanuel Macron steuert auf Sieg hin 

Bei den Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni gilt laut Umfragen die Bewegung «La République en marche!» des Präsidenten Emmanuel Macron als Favorit. Auch die Auslandsfranzosen, die eine Woche früher gewählt haben, stimmten im ersten Wahlgang mehrheitlich für die Bewegung des Präsidenten. Im Wahlkreis Zentraleuropa und Balkan, zu dem Deutschland gehört, erhielt der Macron-Kandidat Frédéric Petit von der Zentrumspartei «MoDem» 54 Prozent der Stimmen. In der zweiten Runde muss er nun gegen den Sozialisten Pierre-Yves Le Borgn’ antreten. Die Bewegung des Präsidenten sehen auch Frankreichs Kommentatoren als Sieger. Denn weder die Rechte noch die Linke seien noch eine Gefahr. 

Die französische linksliberale Zeitung «Libération»: 

«Mit rund 30 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang sollen die Kandidaten der Bewegung «La République en marche!» des Präsidenten Emmanuel Macron auch im zweiten Wahlgang in zahlreichen Wahlkreisen vertreten sein. Das zumindest sehen die Umfragen vor. Umfragen sind zwar, was sie sind, doch geben sie Tendenzen an. Es ist schwer vorstellbar, was diesen Kurs in den nächsten Tagen bis zum ersten Wahlgang am 11. Juni noch beeinflussen könnte. Der Präsident hätte so keine Schwierigkeiten, sein Reformprogramm umzusetzen. Ein Risiko bleibt jedoch: Dass sich die Opposition auf der Straße bildet und nicht im Parlament. » 

Die Wirtschaftszeitung « Les Echos»: 

«Die Rechte präsentiert sich den Wählern völlig zersplittert. Sie verkörpert nur noch schwer überschaubare Strategien und politische Linien. Dasselbe gilt für die Linke. In wenigen Wochen ist es dem Präsidenten Emmanuel Macron gelungen, die zwei großen Regierungsparteien zu sprengen. Doch beide, die Rechten und die Linken, können sich trösten: Denn der rechtsextremen Front National und der linksradikalen Bewegung «Das aufsässige Frankreich» von Jean-Luc Mélenchon geht es nicht besser.» 

Die Regionalzeitung «Courrier Picard»: 

«Das Schicksal des Landes wird sich größtenteils an diesem Sonntag entscheiden. Für Macron steht dabei viel auf dem Spiel. Wenn die Bewegung des Präsidenten nicht die absolute Mehrheit erlangt, dann könnten auf den Bewohner des Elysée-Palasts fünf unbequeme und schwierige Jahre warten, ebenso auf den Premierminister, der in diesem Fall von einer anderen Partei sein wird als die des Präsidenten. Doch Macron hat seine Netze weit ausgeworfen. Bislang gilt seine Bewegung als Favorit. Weder die Linke noch die Rechte präsentieren eine Gefahr für den Präsidenten. Die Linke ist zu schwach geworden, die Rechte zu zersplittert.» 

Die Regionalzeitung «La Dépêche du Midi»: 

«Es ist nie gut, zu früh und zu schnell sich über einen Sieg zu freuen. Dennoch: Der Präsident scheint die unglaubliche Herausforderung gemeistert zu haben: die absolute Mehrheit für seine Bewegung «La République en marche!» zu erzielen. Jene Franzosen, die der beiden klassischen Regierungsparteien, der Rechten und der Linken, müde waren, können sich freuen. Für sie bringt dieser Präsident einen frischen Wind in die Parteienlandschaft, auch wenn niemand sagen kann, ob dieser eher nach links oder rechts weht. Macron muss nun seinen möglichen Sieg meistern, mit dem das Schwerste erst beginnt: Die Franzosen davon zu überzeugen, dass sie richtig gewählt haben.» 

Die Regionalzeitung «Ouest-France»: 

«Wenige Tage vor dem ersten Wahlgang scheint es unwahrscheinlich, dass die Bewegung «La République en marche!» des Präsidenten Emmanuel Macron zu schwächeln beginnt. Der einzige Unsicherheitsfaktor besteht darin, ob seine Bewegung die absolute oder relative Mehrheit erzielen wird. Das hängt höchstwahrscheinlich auch davon ab, wie viele Wähler sich der Stimme enthalten werden und wie viele einen ungültigen Stimmzettel abgeben werden.» 

Die Regionalzeitung «L’Union-l’Ardennais»: 

«Muss man eigentlich noch zur Wahl gehen? Die Umfragen sagen der Bewegung des Präsidenten Emmanuel Macron bereits die absolute Mehrheit voraus. Es hat noch nie einen frisch gewählten Präsidenten gegeben, der bei den Parlamentswahlen keine Mehrheit erzielt hat. Da die Linke und die Rechte sich noch immer nicht von dem Sieg der Bewegung «La République en marche!» des Präsidenten erholt haben, stehen für den jüngsten Präsidenten der Fünften Republik die Zeichen auf positiv.» 

 

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