Das meinen französische Kommentatoren: François Fillon ist noch nicht geschlagen, Frankreichs Sozialisten haben sich überlebt

Urheber/in: Heinrich-Böll-Stiftung France

Der sozialistische Ex-Premierministers Manuel Valls unterstützt den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Valls statt den gewählten Favoriten seiner Partei, Benoît Hamon. Und der Konservative François Fillon ist immer noch im Rennen – trotz eines Ermittlungsverfahrens gegen ihn. Über die Kandidaten und ihre Wahlchancen schreibt die französische Presse:

Die Regionalzeitung «Midi Libre»:

Trotz des Ermittlungsverfahrens gegen ihn, scheint der Abstieg zur Hölle des konservativen Kandidaten François Fillon gebremst zu sein. Die Meinungsumfragen sind ihm wieder sonniger gesinnt. Dadurch fühlt er sich in seiner Hartnäckigkeit bestätigt, den Wahlkampf trotz juristischer Probleme fortgesetzt zu haben. Gleichzeitig taucht dadurch aber auch die Möglichkeit wieder auf, dass er es doch in die Stichwahl schaffen könnte. So geht es in der Politik eben zu. Für viele gleicht sie einem Parcours von Kämpfern, auf dem es an Skandalen, Verrätern und Wiederauferstehungen wimmelt. Ein brutales und gnadenloses Universum, in dem nur das Urteil der Urnen den Tod herbeiführen kann.  

Die linksliberale Tageszeitung «Libération»:  

Erbsünden werden nur schwer vergeben. Die der französischen Rechten bestand in diesem Wahlkampf darin, den konservativen Kandidaten François Fillon behalten zu haben. François Fillon läuft Gefahr, eine Wahl zu verlieren, die im Prinzip gar nicht zu verlieren gewesen war. Und dennoch: Die rechten Wähler sind immer noch da. Der angeschlagene Kandidat kommt trotz allem in den Umfragen auf mehr als 17 Prozent. Niemand kann garantieren, dass die Moral über die Parteitreue siegen wird. Leider kommt es in einer Demokratie vor, dass die Wähler ebenso zynisch sind wie ihre Führer. 

Die Wirtschaftszeitung «Les Echos»:

Das Wort liberal macht ihnen keine Angst. Das ist der einzige Punkt, den sie gemeinsam haben. Die beiden Kandidaten der Wirtschaftsreform, der unabhängige Manuel Macron und der Konservative François Fillon haben beschlossen, sich auf diesem Feld zu bekämpfen. Wer hat Recht? Wer wird das Blatt jahrzehntelanger politischer Tatlosigkeit  wenden? Schwer zu sagen, doch der Zweifel besteht auf beiden Seiten.

Die konservative Tageszeitung «Le Figaro»:

Da sich der sozialistische Ex-Premierminister Manuel Valls für den parteilosen Manuel Macron entschieden hat, kann man sein letztes Hemd verwetten, ohne zu fürchten, es zu verlieren, dass François Hollande in wenigen Monaten dasselbe tun wird. Es ist schwer vorstellbar, dass der scheidende Präsident seine Stimme Benoît Hamon geben wird, der von 2012 bis 2017 maßgeblich zum Niedergang des sozialistischen Staatschefs beigetragen hat. Der Kreis schließt sich: Emmanuel Macron war am Anfang der fünfjährigen Amtszeit ein Hollande-Unterstützer, Hollande wird nun ein «Macronist».    

Die linksliberale Tageszeitung «Libération»:

Manuel Valls hat nicht gezögert… Nachdem er ein Papier unterschrieben hat, in dem er sich verpflichtet hatte, Benoît Hamon zu unterstützen, schlägt er sich nun auf die Seite von Emmanuel Macron. Valls war der Apostel einer linken Realpolitik. Nun wird er zu einem Mann der Linken, der sein Mäntelchen nach dem Wind hängt. Er will der Drehpunkt einer großen progressiven Sammlungsbewegung sein – und wird damit zu einer Wetterfahne. In diesem Wahlkampf gibt es ein Opfer: Der Respekt vor dem gegebenen Wort. 

Die Tageszeitung «Le Parisien»:   

Die Sozialistische Partei, jene, die in der Lage war, um ein gemeinsames Programm herum zu vereinen, ist gestorben. Sie hat sich durch ideologische und persönliche Rivalitäten aufgerieben. Manuel Valls hat den letzten Nagel in den Sarg geschlagen, ohne Überraschung – aber mit Gepolter.

Die Wirtschaftszeitung: «Les Echos»

Der ehemalige sozialistische Premierminister Manuel Valls hat die Grenze überschritten und das Chaos eingeleitet, das nach dem 7. Mai ausbrechen wird. Dadurch, dass er Emmanuel Macron unterstützt, wendet er sich von seinem Urwahl-Versprechen ab und dem Kandidaten seiner Partei, Benoît Hamon. Manuel Valls hat das beschleunigt, was er selber theoretisiert hatte: Die beiden Flügel der Sozialistischen Partei werden sich nicht mehr aussöhnen. Die Partei steht vor ihrem bitteren Ende. 

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