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Emmanuel Macron hat am 14. Mai offiziell die Macht übernommen. Doch damit hat er den Wahlkampf noch nicht ganz gewonnen. Macron hat hehre Ziele und will Frankreich erneuern, reformieren und vereinen. Dazu braucht er eine solide Regierungsmehrheit. Ob er diese bekommt, wird sich bei den Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni entscheiden. Ein Überblick über das Wahlsystem.
Für die Wahl der Nationalversammlung werden 577 Wahlkreise gebildet, in denen jeweils ein Abgeordneter gewählt wird. Diese werden nach dem Mehrheitswahlrecht in zwei Wahlgängen für jeweils fünf Jahre gewählt. Im ersten Wahlgang ist ein Kandidat gewählt, wenn er die absolute Mehrheit erzielt hat, kann keiner der beiden Kandidaten die absolute Mehrheit auf sich vereinen, findet ein zweiter Wahlgang statt, bei dem eine relative Mehrheit genügt. Parteien, die sich politisch nahe stehen, verständigen sich vor dem zweiten Wahlgang in aller Regel auf einen gemeinsamen Kandidaten, so dass sich im Endspurt noch zwei oder drei Kandidaten gegenüberstehen. Bislang stammten sie aus dem linken und rechtsbürgerlichen Lager oder dem linken, rechtsbürgerlichen und  rechtsextremen Lager. Mit Macron wird sich das ändern. Denn der Präsident positioniert sich weder links noch rechts und will diese Lager überwinden.  In diesem Sinne hat er auch seine erste Regierungsmannschaft zusammengestellt.
Bei den Wahlen im Jahr 2012 erzielte die sozialistische Partei PS im zweiten Wahlgang insgesamt 40,91 Prozent (258 Sitze), die Konservativen 37,95 Prozent (194 Sitze), die rechtsextreme Front National 3, 66 Prozent (2 Sitze), die Grünen Europe-Ecologie-les Verts 3,60 (16 Sitze),  die linke Front de Gauche 2,34 Prozent (10 Sitze). Der Rest entfiel auf verschiedene Parteien der extremen Linken, darunter Kommunisten, Trotzkisten sowie Zentristen.
Wenn der Präsident seine Macht teilen muss
In Frankreich verfügt der Präsident über viel Macht, die nur im Falle einer Cohabitation eingeschränkt wird, die eintritt, wenn der Premierminister der Opposition angehört und dadurch auf eine enge Zusammenarbeit mit der Regierung angewiesen ist und der sie tragenden Parlamentsmehrheit. 
Bislang gab es drei Cohabitationen. Erstmals teilte sich der sozialistische Staatschef François Mitterrand von 1986 bis 1988 die Macht mit dem konservativen Premierminister Jacques Chirac. Dann musste sich Mitterrand von 1993 bis 1995 die Macht mit dem bürgerlichen Edouard Balladur teilen. Die längste Zusammenarbeit zwischen zwei Politikern aus entgegengesetzten Lagern war die zwischen Jacques Chirac, diesmal als Staatschef, und dem Sozialisten Lionel Jospin als Premierminister. Sie dauerte von 1997 bis 2002. 
Um weitere Cohabitationen zu vermeiden, wird in Frankreich der Präsident alle fünf Jahre gewählt. Dadurch folgen den Wahlen nur wenige Wochen später die Parlamentswahlen mit der Folge, dass sich der neue Staatschef auch auf die Mehrheit der Partei stützen kann, die ihm zur Macht verhalf. Doch im Falle Macrons könnte diesmal das Ergebnis anders ausgehen. Denn Macron ist mit 39 Jahren nicht nur Frankreichs jüngster Präsident. Auch seine Sammelbewegung «La République en marche!» ist noch sehr jung. Sie wurde im April 2016  gegründet – damals hieß sie noch «En marche» und verfügt deshalb über keine parlamentarische Basis. 
Die Hürden zu einer Mehrheit sind zahlreich. Macron hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens 50 Prozent der Kandidaten in den Wahlkreisen nicht mit Profi-Politikern zu besetzen, darunter  ebenso viele Frauen wie Männer. Das hat er mit der Besetzung der Wahlkreis-Kandidaturen auch eingehalten. An einer Kandidatur interessierten mussten sich online bewerben und wurden von einer internen Kommission ausgewählt.  Sie müssen sich in den Wahlkreisen politikerfahrenen Abgeordneten der alteingesessenen Parteien stellen. 
Macron hat als parteiunabhängiger Mitte-Links Politiker die traditionelle Linke und Rechte aus den Präsidentschaftswahlen gekickt. Vor allem die Rache der Rechten könnte er deshalb sehr zu spüren bekommen. Der Favorit der Konservativen, François Fillon, hat nach seiner Niederlage bereits wissen lassen, dass seine Partei alle Kräfte daran setzen werde, bei den Parlamentswahlen möglichst stark abzuschneiden. Nach einer aktuellen Umfrage könnte es Emmanuel Macron sogar gelingen, mit seiner neuen Bewegung eine Mehrheit im Parlament zu bekommen. Angesichts der völligen Implosion des bisherigen Parteiensystems und aufgrund des Mehrheitswahlrechtes in zwei Durchgängen ist das aber schwer vorherzusagen

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